Dienstag, 24.04.18 - Kőleves

Abschaffung der Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern

Der Frauenausschuss des Ungarischen Gewerkschaftsbundes (MaSzSz) führte am 24. April 2018 in Kooperation mit dem Budapester Büro der FES eine sogenannte alternative Interessenabstimmung mit Expert_innen und Sozialpartnern über die Abschaffung von Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern durch. Eigeladen wurden als Vertreter_innen der Arbeitgeberseite die ungarischen Personalchefs von TESCO und Telekom und der Generalsekretär des Landesverbandes der Kleinunternehmer VOSZ. Die Gewerkschaftsseite war durch die drei Gewerkschaftsvorsitzenden vertreten, die auch im ständigen Konsultationsforum der Wettbewerbssphäre und der Regierung, im sogenannten VKF sitzen.

Bei Tesco beträgt der Anteil von Frauen 70% aller Beschäftigte, insofern ist es ein unerlässlicher Teil des Personalmanagements frauenbezogene Aspekte zu berücksichtigen. Bei der ungarischen Telekom erkennt man die gläserne Decke bei der Zahl von Frauen im Top-Management. Im Top-Führungsgremium sitzt neben 7 Männern nur 1 Frau. Auf dem unteren Führungslevel liegt der Anteil von Frauen über 20% und diese Zahl soll in der nächsten Zukunft auf 30% erreichen.

Einen internationalen Ausblick wurde von Zoltán Pogátsa, Ökonom an der Westungarischen Universität, auf der Basis von Daten des Word Economic Forums präsentiert. Im europäischen Kontext liegt die Lohndifferenz in Ungarn mit 18,4% knapp über dem EU-28 Durchschnitt. Im globalen Vergleich, bei dem unterschiedliche Aspekte, wie ökonomische Partizipation, Bildung, Gesundheit und politisches Empowerment berücksichtigt werden, landet Ungarn auf dem Platz 103. Dabei zeigt sich, dass Berufe, die zumeist von Männern ergriffen werden, besser bezahlt werden als „Frauen-Berufe“. Alle Referent_innen betonten, dass Frauen überwiegend mehr unbezahlte Tätigkeiten ausüben.

Im Panelgespräch kritisierte die Liga-Vorsitzende, Melinda Mészáros, dass laut Eurostat die Lohndifferenz in Ungarn bei 14% liegt. Damit können die Gewerkschaften sich nicht zufrieden geben, so Mészáros. Durch diese Differenz ergeben sich in der späteren Zeit weitere Benachteiligungen, da z.B. die Renten dementsprechend auch niedriger ausfallen.

Imre Palkovics, Vorsitzender der Arbeiterräte, MOSZ, berichtete, dass bereits gemeinsam mit den Sozialpartnern und der Regierung über einen Vorschlag zur Abschaffung der Lohndifferenz diskutiert wird. Bisher wurde aber noch keine Vereinbarung getroffen. Ein Vorschlag wäre, dass Betriebsräte über die Höhe der jeweiligen Gehälter informiert werden, damit diese die Lohndifferenzen analysieren könnten. Dazu bräuchte man aber eine Modifizierung des Arbeitsgesetzes. Ein weiterer konkreter Vorschlag wäre, dass Stellen gleich mit Gehaltsangebot ausgeschrieben werden sollten.

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