Donnerstag, 17.05.18

Frauensachen 2018 – Erwartungen an und von Frauen in Ungarn

In Ungarn sieht es oft so aus, als ob die Realität der Frauen und der öffentliche Diskurs über die Situation der Frauen in der Gesellschaft kaum übereinstimmen. Während nacheinander Skandale über sexuelle Belästigung und Gewalt in persönlichen Beziehungen berichtet werden und zahlreiche Indizes und Statistiken über gravierende und ungerechte Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern veröffentlicht werden, bleiben große Teile der Gesellschaft von solchen Nachrichten einfach unberührt. Das Problem der Gleichstellung der Geschlechter wird entweder durch die Erinnerungen an die angespannte und einseitige egalitäre Politik des Staatssozialismus aufgehoben oder gilt als eine Art Import aus dem Westen, ein "Hobby der Oberschicht", das nichts mit den täglichen Kämpfen der Frauen zu tun hat.

Was wollen die ungarischen Frauen eigentlich? Mit welchen Problemen sehen sie sich konfrontiert? Welche Erwartungen hat die Gesellschaft an sie und welche Erwartungen hegen sie an Männer, Politik und Gesellschaft?

Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten, lud die Friedrich-Ebert-Stiftung am 17. Mai 2018 zur Veröffentlichung der Studie „Nőügyek 2018“ ein, welche anschließend mit einigen Vertreterinnen der parlamentarischen Opposition diskutiert wurde.

Die Autorinnen der Studie, Eszter Kováts und Anikó Gregor, arbeiteten dabei heraus, dass die Frauen in Ungarn vor allem unter wirtschaftlicher Unsicherheit zu leiden haben. Lohnungleichheit und Arbeitsplatzunsicherheit stehen dabei im Vordergrund. Ein strukturelles Problem, welches besonders die Frauen mittleren Alters beschäftigt, ist die Pflege von Familienmitgliedern. Während die Kindererziehung durchaus in der breiten Öffentlichkeit diskutiert wird, werden die Frauen mit der Pflege kranker und älterer Verwandter oftmals gänzlich alleine gelassen. Diese repräsentative Studie soll deshalb vor allem einen Anstoß dazu geben, den Dialog über die gesellschaftliche Bedeutung von Pflege zu führen und stellt zudem gezielte Handlungsempfehlungen bereit. Neben den Investitionen in die soziale Infrastruktur müssen aber vor allem auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Unter anderem bei der Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten und mehr Home-Office Verträgen, ist daher die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und anderen sozialstaatlichen Bewegungen besonders wichtig.

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